· 

Ehrliche Worte

Ehrliche Worte

2495,3 Kilometer, 3 Länder, 8 größere Städte und 18 Tage so sieht meine Reise in Zahlen aus. Bei der letzten Zahl ist es schade, dass sie doch so niedrich geworden ist, aber bei dem Rest bin ich voll und ganz zufrieden.

Seit einer Woche bin ich nun wieder zurück und was soll ich sagen, ich habe jetzt schon Fehrnweh. Einfach wieder alles ins Auto schmeißen und los geht's. Die Zeit "alleine" hat mir persönlich wirklich gut getan und ich kann es jedem nur empfehlen, der gerade irgendwo steht und sich denkt:" Naja ich weiß zwar, was ich im Leben irgendwie machen will, aber so wirklich ja dann doch nicht". Man lernt so viele Dinge und dazu muss es auch nicht unbedingt Schweden sein. Man erlernt das Kochen für eine Person, was man im späteren Studentenleben auf jeden Fall nochmal brauchen wird, das Einkaufen für eine Person, auch das ist am Anfang nicht so leicht, da man dann erst bemerkt, wieviel so ein Kilo Tomaten doch sind und man leider nach 5 Tagen den Rest wegwerfen muss. Außerdem das alleinige Planen. Sei es die komplette Tagesplanung, oder einfach nur die Weges Planung zur nächsten Bushaltestelle. Denn wenn man alleine ist kann man leider nicht die Schuld auf jemand anderen schieben, so nach dem Motto :" Wenn's schief läuft ist immer der andere Schuld". Denn da ist plötzlich niemand. Und der wichtigste Punkt für mich auf jeden Fall das Erlenen von Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit. Dadurch, dass man dauernd in neue und fremde Situationen kommt, kann man nicht einfach sagen "ach das wird schon", sondern muss sich doch ein wenig Gedanken machen. Vor allem über sein Auftreten, da gerade man als Frau in einer fremden Stadt doch öfter dumme Blicke, Sprüche oder seltsame Geräusche zu hörnen und sehen bekommt.  Doch abgesehen davon ist es natürlich auch totale Erholung. Vor allem wenn man davor nur Urlaub mit Eltern kennt. Man kann sein eigenes Ding durch ziehen, muss sich nicht dauernd anhören wie unordentlich es jetzt schon wieder Aussehen würde und kann einschlafen und aufstehen wann man selbst es möchte und nicht wann der tagesplan von den Eltern es einem vorschreibt. Man lebt häufig in den Tag hinein und kommt dabei auch irgendwie öfter mit Fragen in Konfrontation, wie es denn so um einen steht. Und hat endlich mal Zeit sich auch damit zu beschäftigen.

Wenn man das jetzt so liest hört sich das ja alles wirklich toll an und man möchte direkt selbst gleich los fahren. Vor allem jetzt bis auf das Planen ergibt es ein Bild von Ausgeglichenheit und totaler Entspannung. Gerade wenn man einen Blick in irgendeine Frauenzeitschrift wirft, bekommt man häufig genau dieses Bild vorgespielt. Erst letztens sprang mir die Aufschrift eines bekannten Frauen-Magazins ins Auge "Finde dich selbst in einem Urlaub nur mit dir allein". Die Überschrift des Artikel klang gleich noch viel besser. " Ganz entspannt auf Entdeckungsreise. Was will ich, wo stehe ich und wie kann ich es am besten verändern. Und das ganze noch im Urlaub". Wow denkt man sich da. Das kann doch nur gut werden. Wenn es einem die Bild der Frau (Anzeige) oder tausend andere Selbstfindungsbücher sagen muss das doch auch so stimmen.

Sorry, aber das ist totaler BULLSH*T. Natürlich gibt es wirklich viele Vorteile, aber auch nur dann wenn man der Mensch dafür ist. Ansonsten kann es in einer totalen Katastrophe enden. Ja, es stimmt leider. Nicht jeder ist dafür gemacht ganz allein zu reisen und ich sage auf keinen Fall, dass ich es zu 100% bin, aber als Einzelkind ist man auf jeden Fall im Vorteil.
Und warum ist nicht jeder dafür geeignet bzw. warum haben diese ganzen Artikel denn unrecht?
Hier mal ein Beispiel, welches ihr zwar bereits kennt, aber ich es nochmal ein wenig deutlicher ausformulieren möchte.
Wenn man die ganze Zeit Person um sich herum hat, die einem bis jetzt aus jeder Situation herausgeholfen habe ohne, dass man selbst einen Finger krümmen musste, ist es zum Beispiel ein Horrorszenario, wenn man Mitten auf dem Vorplatzes des Göteborgers Hauptbahnhofes steht, alle um einen herum einen nur mehr oder weniger verstehen, man kein Geld, kein Perso, keine Geldkarten und der Akku bereits am sterben ist. Denn dann ist es sowas von nicht cool oder gar entspannend allein zu sein. Und wenn man dann denkt ach irgendwie wird das schon und planlos durch die Gegend rennt kann ich jetzt schon sagen wird es sowas von gar nichts. Da hilft es nicht einen auf großen Macker zu machen. Nein, da muss man einfach mal kurz durchatmen und loslassen. Denn wenn alle einen anstarren und man alle schlimmen Sachen auf einmal im Kopf durchgeht passiert es. Erst eine, dann noch eine und dann steht man da heulend. Und soll ich euch was sagen? Das muss auch mal sein! Denn so ist dann irgendwann alles draußen und nach dem man ein paar Mal tief durchgeatmet hat, bekommt man wieder einen klaren Kopf. Dass man z.B auch eine Person nach der nächsten Polizeistation fragen kann, anstatt Google Maps oder nach Telefonnummern vom Lost and Found Büro am Bahnhof fragt. Denn das spart dann z.B Akku und man wird eventuell noch gratis neben bei von einer netten Person beruhigt. Das ist finde ich generell ganz wichtig wenn man alleine Unterwegs ist. Nicht das weinen, sondern das Tiefdurchatmen. Es passiert oft wenn man etwas alleine plant, das es am Ende doch irgendwie anders kommt, als man dachte und statt sich aufzuregen, einfach durchatmen. Kein Scherz, hilft auch im normalen Alltag.
Aber nicht nur in diesen "extremeren" Situationen hätte man doch öfters gern den ein oder anderen bei sich gehabt. Einfach wenn man Abends wieder zur Ruhe kommt und nochmal im Kopf den Tag Revue passieren lässt. Gerade als Familienmensch, wenn man es gewöhnt ist, dass das Abendessen dazu genutzt wird der Familie mitzuteilen, was alles heute so passiert ist, wird man es vermissen anderen von den tollen Ereignissen berichten zu können. Oder auch wenn irgendwas nicht so klappen wollte, wie man selbst es wollte. Sei es die Solaranlage, welche gerade ihr eigenes Ding durchziehen wollte oder der Abfluss der seinem Namen nicht gerecht wurde und einfach das Wasser oben stehen blieb. Dann steht man da und ist aufgeworfen. Aber wie oben bereits erwähnt Durchatmen und dann wird es schon. Dann muss Frau halt zum Handwerker werden oder dann auch mal zum Elektriker. Und lustiger Weise es hat meistens sogar geklappt.

So kann man sehen, dass wenn man schon relativ selbstständig ist, kochen und Ordnung halten keine Fremdwörter sind und man mindestens schon einmal alleine durch eine fremde Stadt gegangen ist, kann es wirklich toll werden, wenn nicht, lieber nochmal überdenken und vielleicht klein anfangen und zum Beispiel sich erstmal für ein Wochenende in ein A&O Hostel in einer größeren Stadt einmieten.
Für mich war es aber auf jeden das richtige. Denn in meinem Fall haben letztendlich zum Glück doch die positiven Ereignisse überwogen, auch wenn die ein andere Träne geflossen ist oder der ein oder anderer Wutausbruch da war. Wie zu Beginn bereits erwähnt konnte ich vorallem so vieles erlernen, was man nur durch Erfahrung mitnehmen kann. Vor allem das Wort Geduld hat sich das ein oder andere Mal als nützlich erwiesen. Und für Personen, die mich kennen, wissen, dass dieses Wort nicht unbedingt immer in meinem Alltag Platz findet.

Bevor ich den Artikel jetzt beende, dachte ich mir ich stelle noch ein paar Dinge zusammen, die ich das nächste Mal auf jeden Fall besser machen will.

1. Mehr Stauraum.
Ja, natürlich ist ein Caddy kein Einfamilien-Haus, aber ich habe mir bereits während meinen Reisen überlegt, wo man noch Verstauungsraum rausholen kann. So möchte ich an meine beiden Rücksitze diese wunderbaren Hängetaschen platzieren, wie ich sie nur aus meiner Kindheit kenne. Außerdem werde ich mit Klett an meinem Schrank vorne und hinten kleine Taschen installieren, damit ich da vor allem das ganze Gedöns, wie Haargummis, Feuerzeug und Badezimmersachen unterbringen kann.

2.Kleidung für JEDES Wetter
Okay, ich habe die kälte vor

allem Nachts unterschätzt. ich bin ein wenig leichtgläubig in meinen SOMMERurlaub gestartet und so war es dann an dem einen einzigen Regentag doch ein wenig frisch. Aber auch für die ganz heißen Tage, war ich nicht so wirklich vorbereitet, sodass ich nun weiß, was ich wirklich brauche und was eindeutig zu Hause bleiben kann. Zum Beispiel die 5. Hose, wo man eigentlich schon am Anfang weiß, dass man sie  nicht brauchen wird.

3. Mehr Planung
Auf gut Glück ist halt doch nicht immer der beste Weg. Ich habe mir zwar die Wochen vor meiner Reise Sachen rausgeschrieben und mir diverse Informationen geholt, doch als wirklich vorbereitet würde ich es nicht bezeichnen. Gerade was die Stellplätze und Sehenswürdigkeiten angeht, ist noch einiges an Puffer nach oben möglich. Außerdem weiß ich für das nächste Mal, dass ich mich auf jeden Fall über die Kriminalitätsrate informieren sollte, sowie über bestimmte Regeln, die es in anderen Ländern einzuhalten gilt.

4. Weniger Planung
So, jetzt hat sie wirklich völlig den Verstand verloren. Erst will sie planen und jetzt dann doch nicht mehr? Dem obengenannten ist nichts auszusetzen, denn damit meine ich eine andere Planung. Auch wenn es immer ganz entspannt rüber kam, habe ich mir selbst doch ein bisschen mehr Druck gemacht, als ich sollte. Vor allem was das Geldbudget angeht, habe ich doch schon immer recht gespart und nicht mal nach dem typischen Urlaubsmotto gelebt. Es wurde immer genauestens geplant (das meine ich), wo man nun wieviel Geld ausgeben kann und wo nicht. Da ist noch mehr rauszuholen und weiß jetzt für das nächste Mal, dass Planung gut ist, aber auch mal sich treiben zu lassen und sich etwas neues gönnen zu können ist dann halt auch mal wirklich Urlaub.


So nun habe ich aber genug geredet. Nehmt nicht alles zu Ernst was dort oben steht. Jeder sollte es letztendlich sowieso so machen, wie er es für richtig hält. Das ist nur eine Meinung von vielen.