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Erster Länderwechsel

Nach Umwegen und etlichen Regenschauer habe ich endlich meinen ersten Stopp im Ausland erreicht. Das schöne kleine Medemblik mit seinen 2Yachthäfen liegt nun vor mir und wird für die nächsten 2 Tage mein Zuhause werden, bevor es weiter nach Amsterdam gehen wird. Warum aber über Umwegen?

Wie schon bei meiner letzten Reise hatte ich es mir mal wieder schwer getan den Platz zu wechseln. ich weiß nicht warum, aber dieses Aufbrechen und nicht wissen wohin fällt mir dezent schwer. Aber gerade deswegen nutze ich diese Reise, um das besser hinzubekommen. Also nachdem ich also Bremerhaven hinter mir gelassen habe, fuhr ich zunächst einmal Richtung Leeuwarden. Diese etwas größere Stadt lag direkt auf meiner Strecke nach Amsterdam und so bog ich nach 2:45 Std auf den kostenlosen Parkplatz direkt am Kanal. Langsam legte sich auch der Regen, sodass ich sogar ohne Schirm den Weg entlang des Kanals Richtung Innenstadt bestreiten konnte. Über Brücken und kleine Gässchen führte es mich zu meinem ersten Halt. Das Restaurant/Cafe Broodje Bewust sollte meinen Hunger mit etwas glutenfreiem stillen können. Und tatsächlich. Neben 2 verschiedenen Kuchenstücken konnte man jedes belegte Brötchen  einfach in glutenfrei bestellen. So entschied ich mich für den Greek Mix. Gut gestärkt ging es dann weiter, um die Stadt zu erkunden. Süße kleine Gässchen bilden die Innenstadt. Und endlich mal Läden, die man nicht in jeder Stadt findet. Zwischen den kleinen Boutiquen gab es noch 2 größere Einkaufszentren, die ich aber Links liegen ließ und lieber noch eine weitere Brücke überquerte. Doch so nach 2 Stunden verließ mich die Lust und ich überlegte was ich nun machen sollte. In einem Cafe mit Wlan suchte ich mir weitere Park-, bzw Schlafmöglichkeiten und so fiel meine Wahl auf Medemblik. Eine etwas kleinere Hafenstadt, auf dem Weg nach Amsterdam gut zu erreichen. Also setze ich mich wieder in meinen Caddy und fuhr weiter.

Kleiner Überblick über Leeuwarden

Alleine die Fahrt dorthin hat sich gelohnt. Man kommt auf zwei Wegen nach Amsterdam und ich habe mich für den etwas längeren aber dennoch schöneren Weg entschieden. Und zwar führte meine Route über den 32Kilometer langen Abschlussdeich. Dieses ist das wichtigste Einzelbauwerk der Zuiderzeewerke und wird unter anderem zum Küstenschutz verwendet. Mitten auf dem Deich befindet sich eine Aussichtsplattform, auf der ich kurz halt machte. Ein wirklich atemberaubender Ausblick. Anschließend fuhr ich noch die letzten 25 Kilometer bis ich auf meinem Stellplatz ankam. Sofort ging es zum Hafenmeister, um die Gebühr von knapp 11Euro zu begleichen, sowie mir etliche Tipps über die Region zu holen. Er gab mir unter anderem eine Stadtgeschichte, die man durch eine Wanderung nachverfolgen kann. Außerdem verkündete er mir das dieses Wochenende Hafenfest sei und gab mir das dazugehörige Programm. Damit bewaffnet begab ich mich in Richtung Ijsselmeer und ließ mich dort auf einer Bank nieder. Ich durchstöberte alle Informationen, die er mir gab und überlegte was ich mir morgen machen werde. Mit diesem Wissen im Hinterkopf, begab ich mich noch einmal zum Oosterhafen, um mir dort bei einem kühlen Getränk ein paar Notizen machen zu können, sowie auch schonmal mit dem Schreiben anzufangen. Gegen 22Uhr machte ich mich auf den Heimweg, um den Abend am Platz mit endlich funktionierenden Wlan und Musik vom Hafenfest ausklingen zulassen.

Ich erwachte gegen halb 10. Einigermaßen ausgeschlafen wollte ich also den Tag beginnen, als ich jedoch hinausschaute verlegte ich diese Entscheidung nochmal. Es stürmte und regnete wie lange nicht mehr. Na super, dachte ich mir. Wollte ich nicht eigentlich heute den Stadtspaziergang machen? Außerdem war die viel wichtigere Frage, wie ich denn überhaupt bei dem Sturm mein Kaffeewasser gekocht bekomme. Doch so einfach ließ ich mich nicht unterkriegen und beschloss nacheiner weiteren halben Stunde es mit dem Sturmaufzunehmen. Mein Tisch stand zum Glück noch vom gestrigen Abend und so baute ich meinen Campingkocher samt Schutz auf. Ganze 2 Minuten hielt das ganze, doch für heißes Wasser reichte es gerade noch aus. Aber für heute Mittag brauchte ich dringend eine andere Lösung. Mit Kaffeetasse und Müslischüssel bewaffnet, setzte ich mich dann in meinen Caddy, um zu frühstücken. Ich ließ mir extra lange Zeit, da Google meinte, dass es gegen 11:30 zu mindestens aufhören sollte zu regnen. Also legte ich mich nochmal gemütlich hin, um eine weitere Folge Suits zu schauen. Als es dann bereits 11:10 war, packte ich meine Sachen zusammen, die ich für diesen etwas längeren Ausflug brauchte und begab mich hinaus, um Medemblik zu erkunden.

Ein Spaziergang durch Medemblik

Wir starten beim Pekelharinghaven. Der Hafen an dem auch mein Caddy steht. Einst fuhren hier Schiffe bis nach Indien, der erste große multinationale Handel. Doch dies hielt sich nur bis 1872, sodass man ihn wieder zu schüttete und darauf unter anderem Fußballplätze zu errichten. Als jedoch Medemblik wieder mehr Fokus auf den Wassersport, sowie den Tourismus legte, wurde der Hafen 1989 wieder ausgegraben. 

 

Dann geht es weiter, vorbei am Haus "Vooreiland" Nr. 2. Das einstige Haus des Bürgermeisters 1862. Außerdem sieht man weitere süße kleine Häusser, die sich von unseren deutschen Wohnhäusern nur so abheben würden. Alles sieht blitzeblank aus und man hat das Gefühl, als würde man durch eine Wohnausstellung laufen. Sobald man durch das Tor Zoutziederserf geht, blick man auch schon auf das nächste Ziel den Oosterhaven. Diesen hatte ich ja bereits schon gestern angesehen, jedoch erfuhr ich durch das kleine Heftchen noch mal um einiges mehr. Unteranderem, dass die Westindische Kompanie hier für einige Gebäude gesorgt hatte. Nun lassen wir das Wasser hinter uns und begeben uns in eines der vielen Seitenstraßen. Dort liegt zwischen den ganzen Wohnungen die ehemalige Synagoge versteckt. Diese wurde 1808 erbaut, als die ersten Juden aus Portugal und Spanien aus ihren Heimatländern vertrieben wurden sind, und sich Medemblik als Zufluchtsort aussuchten. Danach wird es wieder etwas voller auf den Straßen. wir befindet uns nun auf der Nieuwstraat. Dies ist die Geschäftsstraße von Medemblik. Dort findet man viele kleine Cafés und Restaurant, sowie das nötigste an Geschäften und kleinen Boutiquen. Geht man diese Straße bis zu ihrem Ende sieht man schon von weitem das Rathaus, sowie das alte Bahnhofsgebäude. So wie es der Zufall wollte, kam genau in diesem Moment die Museumstoomtram an. Eine alte Dampflok, die zwischen Horn, Enkhuizen und Medemblik, dem Historischen Dreieck, hin und her pendelt. Leider verbindet diese Ankunft auch immer Massen an Touristen, sodass ich mich erstmal durch die Menschenmasse durchquetschen musste, um zum Deich zu gelangen. Der Westfriesische Ringdeich umfasst eine Länge von 126 Kilometern und ist bereits über 800 Jahre alt. Hier wird er als ein Wunder bezeichnet, da er nur per Menschenhand erbaut wurden ist, und heute immer noch steht, obwohl er mehrfach während des Baues eingestürzt ist. Anschließend geht es wieder die Treppen runter und ein paar Schritte nach Links, damit wir vor dem Rathaus stehen. Es wurde erst im 16 Jh. erbaut und wurde 1930 komplett erneuert. Gleich gegenüber ist der nächste Haltepunkt. Das Bäckereimuseum. Es sieht genauso aus wie es klingt. Für jeden Bäckerbestimmt ein Traum, für jeden anderen, naja, lassen wir es mal so stehen. Direkt daneben befindet sich die Gasse "Kerksteeg" durch die wir zu den Witwenhäusern gelangen. Wenn früher der Mann auf hoher See ums Leben kam, wurde hier Wohnraum von der Evangelischen Kirche geschaffen. Heute bietet es Wohnraum für Alleinlebende. Von dort aus sieht man auch schon die Bonifatius-Kirche. Nur ihr Turm ist aus dem 12 Jh. Das Gebäude musste bereits 2 Mal wieder aufgebaut werden, nachdem es 2 schreckliche Brände i der Stadt gab. neben der Kirche befindet sich das Waisenhaus. Durch die vielen tödlichen Krankheiten, gab es immer mehr Waisenkinder und um zu vermeiden, dass diese auf die Straße gingen und zu betteln errichtete man 1575 im alten Kloster das Waisenhaus, welches sich bi1919 hielt. Zu einem de größeren Highlights Medembliks zählt die Mehlmühle "DE Herder". Zu dieser gelangt man in dem man vorbei an der St. Matinus-Kirche geht und sich Richtung Deich auf macht. Dort stand einst die Westermeelmolen, die jedoch 1948 abgerissen wurden ist. So kaufte man im Jahre1986 eine alte Ölmühle aus dem 17.Jh und baute sie hier wieder auf. Ich ließ es mir nicht entgehen die steile Treppe der Mühle zu erklimmen und bekam für gerade mal 2 Euro eine Private Führung durch einen netten alten Herren, der sein bestes gab mir irgendwie auf Deutsch-Englisch-Holländisch, die Geschichte und Funktion dieser Mühle näher zu bringen. Ich muss sagen es hat funktioniert. Nach echt netten 20 Minuten ging es wieder abwärts und weiter zum nächsten Punkt dem Westerhaven. Die Mauer drumherum ist älter als der Abschlussdeich und wurde benutzt, um das Wasser bei Flut davon abzuhalten in die Stadt zu dringen. geschichtlich hat er auch einiges zu bieten. Am 15. Oktober 1811 erklärte Kaiser Napoleon den Hafen zum Kriegshafen. Dieser Status hielt aber nur ganze 2 Jahre, denn dann zogen sich die Franzosen wieder zurück. Bis 1962 diente er noch als Marine-Hafen. Nun bietet er Platz für wassersportfahrzeuge. Jetzt geht es vom Wasser wieder zurück aufs Land und zwar in den Emmapark. Dort befindet sich neben einer großen Grünfläche und einem Minigolfplatz auch ein Streichelzoo. An diesem biegen wir rechts ab, um zum letzten Punkt zu gelangen. Der Burg Radboud. Diese wurde ende des 13 Jh. erbaut und ist die letzte noch erhaltene Burg der 5 Burgen, die damals errichten wurden sind, um die Westfriesen in Zaum zu halten. Diese hatte zuvor Wilhelm ll. (oder auch Wilhelm Friedrich Georg Ludwig von Oranien-Nassau) ,in der Nähe des Dorfes Hoogwoud, erschlagen. Als Rachezug seines Sohnes gelang es ihm, dass sich die Westfriesen unterwerfen und erbaute eben diese 5 Burgen. Diese Verteidigungsfunktion hielt bis ins 17. Jh. Danach wurde sie als Kirche, Unterkunft oder sogar auch als Amtsgericht zweckentfremdet.

Nach weiteren hundert Metern hat an es dann geschafft und steht wieder auf dem Stellplatz.

Dann war erstmal Pause angesagt. Da es immer noch stürmte wagte ich es in meinem Caddy zu kochen. Und siehe da, es funktioniert. Mein Caddy ist nicht abgebrannt und es ist auch kein schwarzes Loch zu sehen. Hervorragend. So machte ich es mir also knapp 1 1/2 Std gemütlich, bevor ich dann noch einmal in die Stadt lief. Ich brauchte dringend Kaffee, sowie Batterien. Nachdem aus dies abgehakt war, schlenderte ich noch ein wenig herum, bis mir der Wind doch ein wenig auf die Nerven ging und ich mich wieder in meinen Caddy zurück zog, um mit Tee und leckeren holländischen Keksen, den Beitrag zu schreiben.

Gleich geht es für mich noch einmal an den Hafen und dann aber auch recht früh ins Bett, da morgen Amsterdam ansteht und ich glaube, dass das nicht ganz ohne werden wird. 

Bis demnächst und noch einen schönen Abend

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