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Eine dringend notwendige Auszeit

Über eine Woche ist jetzt nun schon vorbei, seit ich meinem Heimatdorf den Rücken gekehrt habe und mich auf meinen Weg gemacht habe, um Europa unsicher zu machen.

In dieser Woche habe ich nun wirklich schon einiges Gesehen.

Bremerhaven

Leeudwarden

Medemblik

Amsterdam

Leiden

Den Haag

Rotterdam

und nun reiht sich Zoutelande und Vlissingen dazu.

Zoutelande ist ein schöner, kleiner Ort direkt am Meer und befindet sich in der Region Zeeland in Holland.

Doch wieso bin ich nun hier und nicht in Antwerpen, wie eigentlich vor gesehen. Dazu müssen wir nochmal zurück nach Roosendaal. Wie errinern uns, der kostenlose Stellplatz im Industriegebiet. Als ich dort also wieder losfuhr, um meinen ersten Parkplatz in der Natur anzusteuern, war erstmal noch alles in Ordnung. Ich fand auch schnell meinen Platz am Rande des Naturschutzgebietes

Grenzpark Kalmthoutse Heide und konnte dort sogar meinen Kühlschrank, an der sich dort befindende Stromsäule anschließen. Ich breitete mich dann erst einmal auf einem der unzähligen Picknicktische aus, um zu frühstücken. So weit, so gut. Doch dann nahm alles seinen Lauf.

Dinge, die an diesen Tagen schief liefen

Nr. 1 Der Campingplatz

An dem Platz wollte ich eigentlich nur eine Nacht bleiben, um darauf den Tag auf einen naheliegenden Campingplatz zu fahren, um mal wieder zu duschen, meine Wäsche zu waschen und einfach mal ein bisschen wieder runter kommen. So, ich rief dort also an, war guter Dinge, als die Frau sogar deutsch redete und dann- alles ausgebucht. Na toll. Und jetzt? Erstmal alles wieder aufräumen und dann im Stellplatzatlas nachschauen. Wir kommen nun zu

Nr.2 Das Waschbeckenproblem

Als ich dann also Spülen wollte, stellte ich fest, dass das Waser nicht ablief. Gut, dass bekomme ich doch noch irgendwie hin, dachte ich und öffnete unten den Schrank, um mir den Schlauch mal genauer anzusehen. Nur um dann festzustellen, dass dieser undicht war. Nach einigen kurzen Ausrastern und Nervenzusammenbrüchen, überlegte ich kurz, atmete ein und aus und baute erstmal das komplette Waschbecken aus, um es erst einmal zu entleeren. Dann kam das Panzerband zum Einsatz. Ohne Witz, sowas braucht jeder in seinem Auto, Haus oder was auch immer. Ich klebte einfach mehrere Lagen auf die zwei Dichtungen des Abflussen und es war alles Dicht und sogar Wasserfest. Perfekt, also alles wieder einbauen und nochmal eingebaut testen. Was soll ich sagen, nein es lief nicht ab. Ich hätte heulen können, nach diesen 30 Minuten war ich also fast immer noch am Anfang. Es half alle nichts, ich brauchte Hilfe. Also rief ich meine Notfallnummer in allen Fällen an und zum Glück ging meine Mutter auch direkt dran. Mit Hilfe von ihr und meinem Stiefvater konnte ich zumindest dieses Problem lösen, in dem ich einfach den Schlauch kürzte und mit meinem geliebten Panzerband wieder zusammen klebte.

Nun kommen wir aber wieder zu Nr. 1, das Campingplatzproblem.

Ich will ehrlich sein, ich war in dem Moment mehr als nur überfordert. Ich liebe es Pläne zu machen und kann nur sehr schwer akzeptieren, wenn ich von meinen Plänen abweichen muss. Nun musste ich dies aber tun, denn einen freien Platz konnte ich mir ja schlecht zaubern. Da sich meine Eltern zum Glück gut in Holland, sowie Belgien auskennen, konnten sie mir auch hier helfen. Durch zureden vor allem durch meine Mutter, gestand ich mir ein, dass ich es wirklich erstmal ruhiger angehen sollte. Die letzten Tage waren doch mehr ein hetzten, als ein genießen und so bekam ich von Markus den Tipp "Zoutelande".Schnell war auch hier ein Stellplatz gefunden und sie hatten auch noch einen Platz für mich und meinen Caddy. Perfekt, da auch jetzt noch die Sonne rauskam, konnte es ja nur besser werden. Und so fuhr ich mit wieder besserer Laune und einem großen Dankeschön an meine Eltern weiter nach Zoutelande. 1 Stunde Fahrt lagen zwischen mir und dem Meer, doch ich genoss die Fahrt. Doch um so länger ich fuhr, desto grauer wurde der Himmel und urplötzlich begann es wie aus Eimern zu regnen. Und da haben wir dann

Nr. 3 das "tolle" Küstenwetter

Okay, ich fuhr trotzdem immer schön weiter und hoffte, dass es einfach irgendwann aufhört. Ich kam letztendlich unversehrt am Campingplatz an und wurde sofort freundlich vom Campingplatzinhaber begrüßt. Auch so machte der Campingplatz auf den ersten Blick einen guten und sauberen Eindruck und so war auch die Gebühr von 30 Euro (inkl. Strom, Wifi und Dusche) vollkommen in Ordnung. Ich bekam gleich einen Packen an Informationen mit und so fuhr ich meinen Caddy auf unseren Schlafplatz für die nächsten Tage. Langsam regnete es auch immer weniger, bis es dann auch mal kurz aufhörte und ich diese Regenpause nutze, um mein Heckzelt einzuweihen. Es lies sich echt super aufbauen und mit den Heringen bot es auch echt einen Sicheren Sitzplatz. Ich hatte gerade meinen Stuhl, sowie Tisch aufgebaut, da begann es auch schon wieder zu regnen. Ich machte mir aber nichts draus, sondern kochte mir einfach einen Tee und aß erstmal zu Mittag. Anschließend erkundete ich mit Regenschirm den Platz und absolvierte sogar noch ein Workout in meinem Minizelt. Gegen Abend wurde es dann aber wieder bisschen besser und ich beschloss hoch zum Strand zu gehen, um den Abend bei einem Pfefferminztee ausklingen zu lassen.

Der nächste Morgen begrüßte mich mit Sonnenschein, was die Nacht wieder gut machte. Es hat total gestürmt, sodass ich wirklich Angst um mein Zelt hatte. Zum Glück hielt alles, trotzdem viel geschlafen hatte ich nicht. Kaffee musste her und so frühstückte ich erstmal in Ruhe in der Sonne, bevor es für mich entlang des Strandes Richtung Zoutelande ging. Etwa 2 Kilometer musste man laufen, was aber kein Problem darstellte, da man permanent entlang der Strandpromenade läuft. Ein wirklich süßes kleines Dorf mit kleinen Boutiquen, Cafés und 2 sehr schönen Kirchen. Dort verbrachte ich knapp 3 Stunden bevor ich mich wieder um 3 Uhr an meinem Campingplatz einfand, um Mittag zu essen, sowie die nächsten Campingplätz rauszusuchen. Zu dem wagte ich mich auch daran zum ersten Mal meine Wäsche zu waschen. Ich hatte mir zuvor eine Marke für den Trockner gekauft und so stopfte ich meine frisch gewaschene Wäsche dort hinein und nutze die Zeit, um am Strand an einem Yogakurs teilzunehmen. Als ich m 21 Uhr wieder kam, wollte ich meine Wäsche holen, doch der Trockner zeigte immer noch 15 Minuten an.

Nr.4 Der Trockner.

Ich wartete diese also noch ab, nur um dann nach 15 Minuten eine kalte und nasse Wäsche herausnehmen zu können. Also musste eine andere Lösung nun her. Inzwischen war es 22 Uhr und ich war einfach nur müde. Doch es half nichts, die Wäsche konnte so nicht bis morgen bleiben. So spannte ich dann in meinem Zelt meine Wäscheleine auf, hing über die Autositze die größeren Teile und die Handtücher kamen raus auf den Zaun. Das ganze hat doch länger gebraucht als gedacht und sahs ich dann endlich um 23 Uhr mit meinem noch schnell gekochten Milchreis auf meinem Stuhl und genoss die nächste Folge Suits. Eigentlich wollte ich dann auch direkt schlafen gehen, doch durch die ganze Aufregung war ich wieder wach geworden und so musste ich doch noch mal ein wenig nach Stellplätzen suchen und schauen was es sonst noch so in Europa zu entdecken gibt. Es dann letztendlich 2 Uhr als ich einschlief.

Zoutelande

Auch so kann ein Auto benutzt werden
Auch so kann ein Auto benutzt werden

Am nächsten Morgen war die Wäsche natürlich noch nicht trocken, doch dieses Mal war das Wetter auf meiner Seite. Blauer Himmel, leichter Wind und die Sonne purzelte bereits um 9 Uhr auf mich herunter. So verlegte ich meine Wäscheleine nach draußen und auch die Klamotten, die über den Autositzen hingen, wurden irgendwo draußen aufgehängt. Da ich so aber erstmal nicht wirklich den Platz verlassen konnte, nutze ich die Zeit um ausgiebig zu frühstücken, sowie eine Runde zu lesen. 2 Stunden später war der größte Teil trocken und ich verräumte alles. Außerdem baute ich auch mein Zelt schon ab, da es ab ca. 18 Uhr regnen sollte und nasses Zelt abbauen macht sowas von keinen Spaß.  Und dann kam endlich mal ein Lichtblick. Es ging an den Strand. Ich packte alles was ich brauchte in meinen Rucksack und spazierte so zum Strand. Ich überlegte einfach nicht nach und lief direkt nachdem ich meine Sachen abgelegt hatte, schnurstracks auf die Nordsee los und sprang rein. Das Gefühl ist einfach jedes Mal unbeschreiblich. Wenn einen das salzige Wasser umgibt und man unter Wasser einfach mal kurze Zeit nichts hört und die Welt außen herum vergessen kann. Lange hält man es  leider auch bei Sonnenschein nicht in der Nordsee aus und so lief ich wieder zurück zu meinem Platz, um ein bisschen zu lesen und die Sonnenstrahlen zu genießen. Doch nach einer knappen Stunden zogen leider schon die ersten Wolken auf und ich beschloss mich duschen zu gehen, um dann anschließend nach Vlissingen zu fahren. Gesagt, getan sahs ich eine halbe Stunde frisch geduscht im Auto und fuhr die gerade mal 17 Kilometer auf einen kostenlosen Parkplatz direkt im Zentrum. So schlenderte ich zunächst ein wenig durch die Marktstände, die jeden Freitag zwischen 8.30   und 16 Uhr dort stehen. Zu empfehlen ist auf jeden Fall der Obststand, bei dem man wirkliche Schnäppchen machen kann, da leider gerade Obst und Gemüse in Holland eher teurer sind, als bei uns. Danach gings an die Boulevard. Eine schöne Strandpromenade, die einen zum Hafen bringt. Dort befinden sich natürlich auch der ein oder andere Kiosk, an dem ich mir auch mein geliebtes Softijs holte. Die nächste Stunde lief ich von Geschäft zu Geschäft und begab mich unter anderem auch in den tollen Action Markt, damit ich mir noch mehr von dem Panzerband holen konnte. Gegen 16 Uhr 30 lief ich an einer Kirche vorbei, welche umgeben von Cafés waren. Also beschloss ich spontan mich in eins dieser süßen Cafés zu setzen und verbrachte dort eine weitere Stunde, um den Artikel vorzubereiten. Außerdem unterhielt ich mich wirklich nett mit der Kellnerin, die mir auch gleich noch Tipps für meinen nächsten Aufenthaltsort gab, Gent. Gegen 18 Uhr lief ich wieder zurück und stattete zum letzten Mal einem Albert Heijn XL einen besuch ab. Die Auswahl an glutenfreien Lebensmittel waren enorm, sodass ich mich erstmal wieder für die nächsten Tage eingedeckt hatte. Jetzt war es aber schon 19 Uhr und ich hatte Hunger bekommen. Da es aber bereits regnete und ich nicht wirklich in der Stimmung war in meinem Auto zu kochen, gönnte ich mir an meinem letzten Hollandtag noch einen Pfannekuchen im Pannenkoekenhuis BRAM.  Dieses lag direkt in Zoutelande,  sodass ich anschließend nur noch 2 Minuten zu fahren hatte. Ich fuhr aber nicht direkt auf den Stellplatz, sondern brachte noch die leider immer anstehende typische Camper Arbeit hinter mich. Toilette entleeren und auffüllen, sowie Wassertanks entleeren und auffüllen. Als auch dies geschafft war und ich eigentlich grade losfuhren wollte, hatte ich noch eine weitere nette Begegnung mit einem Vater und seinen 2 Kindern. Das ist das tolle zwischen Campern. Man kommt fast immer ins Gespräch. Er wollte nur  mal kurz meinen Caddy begutachten und da stimme ich doch immer gerne zu. Wir tauschten uns noch ein wenig aus, bis ich dann wieder an meinem Platz stehe und die letzte Nacht in Holland nun anbricht. Morgen geht es dann nach Gent, denn warum auch immer habe ich das Gefühl, dass Brüssel und Antwerpen nochmal warten müssen.

Mein Fazit der ersten Woche

 

Auch wenn es wirklich einige Probleme gab, stimmt es einfach, dass auch der schlimmste Tag nur 24 Stunden hat. Aber ich möchte hier nicht auf heile Welt machen und sagen, wie toll und einfach es doch ist, alleine zu vereisen. Denn das ist es ganz und gar nicht. Natürlich genieße ich es und freue mich auf jeden weiteren Tag und was ich dort erleben kann. Aber man darf es eben nicht unterschätzen. Was ich nun aus der ersten Woche mit nehme ist, dass ich langsamer machen muss. Denn dann kann plötzlich ein kaputter Abfluss zur absoluten Krisensituation werden. Ansonsten merke ich, das es mir nicht gut tut. Desweiter, niemals aufzugeben. Auch wenn die Situation mehr als nur ausweglos erscheint, gibt es in 99% der Fälle immer eine Lösung. Auch wenn dies bedeutet um halb 11 die Wäsche aufzuhängen. Und das wichtigste ist Hilfe anzunehmen. Klar weiß ich, dass ich echt schon vieles alleine geschafft habe. Doch manchmal braucht man die etwas stärkeren Armen des Platznachbarns, um die Paletten zu tragen, eine andere Wegbeschreibung eines Einheimischen oder einfach mal ein kurzes Telefonat nach Hause. Und das muss ich lernen mehr anzunehmen. 

Nun aber genug davon. Ich freue mich schon auf Belgien und bin gespannt was Gent so zu bieten hat.

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