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Der Norden von Frankreich

Ja, ich lebe noch. Ich habe die Nacht auf den Klippen wahrlich gut überstanden. Doch leider nicht in Étretat wie gewollt, sondern erst ein paar Tage später in Longue-sur-Mer. Doch fangen wir von vorne an.

Étretat-die überlaufene Touristenstadt mit wunderbaren Felsen

Nachdem ich meine Nacht auf dem Campingplatz bereits um 8 Uhr für beendet erklärt hatte, stand ich auf, um meine Wäsche zu waschen. Ich gab erneut dem Trockner eines Campingplatzes die Chance nach dem40 minütigem Waschgang meine Wäsche zu trocknen. In einer halben Stunde sollte meine Wäsche also trocken sein. Das will ich sehen. So war dem natürlich nicht, also schmiss ich erneut 1.50 in die Maschine, um es erneut zu versuchen. In der Zeit bereitete ich schonmal ein Frühstück vor. Nach der halben Stunde holte ich jedoch wieder nur eine halbtrockene Wäsche heraus. Einfach toll diese Trockner. Ich werde sie nicht mehr benutzen. Aufregen hilft ja, wie ich langsam weiß, nichts und deswegen nutze ich den extra mit einberechneten Zeitpuffer, um meine Wäsche aufzuhängen. Aber dieses Mal zum Glück im hellen und mit warmen Sonnenschein. Zu dem bekam ich Hilfe von meinen Nachbarn anboten. Sie gaben mir ihren Wäscheständer, womit alles natürlich um einiges leichter ging. So konnte ich dann beruhigt um halb 11 frühstücken und hoffte einfach, dass die Wäsche in einer guten Stunde trocken ist. Dem war auch so und nun konnte ich um 12 Uhr mit frisch gewaschener Wäsche den Campingplatz verlassen. Zuvor hatte ich mich noch mit ebengenannten Nachbarn nett unterhalten. Sie gaben mir eine Übersicht über alle Stellplätze der Normandie mit, sowie tollen Tipps. Echtgenial. Sie selbst haben diese 10 Papiere von einer Camperin aus Luxemburg erhalten und gaben sie mir nun weiter. Nach diesem doch einigermaßen guten Start in den Tag ging es für mich also um 12 Uhr hoch auf die Felsen. Mein Parkplatz war beim Leuchtturm, welcher als Startpunkt der Wanderung nach Étretat gilt. So ließ ich also ganz unbesorgt mein Auto dort stehen und lief los. Ich kann gar nicht in Worte fassen wie unfassbar schön diese insgesamt 15 Kilometer lange Wanderung war, darum rede ich nicht viel weiter, sondern zeig es euch einfach.

Bevor es wieder zurück ging, legte ich noch einen Stopp beim Strand ein, dann machte ich mich wieder gute 2 Stunden auf den Weg zurück. Naja, eigentlich sollte das dann auch mein Schlafplatz werden, doch nur leider steht da das Wort „eigentlich“. Denn als ich zurückkam, sah ich den blauen Zettel schon von weitem. Super, Strafzettel Nr. 1. Auf einer Wiese, ohne jegliche Beschilderung und vielen weiteren Autos, bekommt das deutsche Auto einen Strafzettel und alle anderen nicht. Ihr seht die Logik auch, oder? Fotos habe ich auf jeden Fall gemacht und bin gespannt, wann ich Post erhalte. Nun ja, jetzt war an der Grenze zu „ich bin überfordert“. Bevor ich aber los fuhr, duschte ich noch schnell und suchte nach einem neuen Platz.Dieser stellte sich jedoch als totaler Flop heraus und jetzt war ich überfordert und zwar mit einfach allem. Ich wünsche dieses Gefühl niemanden, wenn man mitten um nirgendwo steht, kein Netz hat und keine Ahnung hat wo man die Nacht verbringt und das in einem "fremden“ Land. Ich glaube in dem Moment, war ich zu nichts mehrfähig und war fix und fertig. Doch irgendwie muss es ja gehen. Von daher setzte ich mich erstmal in mein Auto und fuhr bis zur nächsten Hauptstraße. Um mich dort auf einen Seitenstreifen zu stellen.um das erste sonnvollste in diese Situation zu machen. Meine Elternanzurufen. Ich weiß, ich bin 19, insgesamt schon über 2 Wochenunterwegs und bekomme so etwas immer noch nicht alleine hin. Ja, ganz genau. Bekomme ich nämlich nicht. Und so suchten meine Eltern, sowie ich parallel nach Stellplätzen und ich sah ein, dass ich le Havre hinter mir lassen muss. Eventuell eine gute Entscheidung, da ich ein bisschen informiert habe und herausgefunden habe, dass gerade Honfleur, sowie le Havre zu totalen Brennpunkten geworden sind. Gerade was das Aufbreche von ausländischen Autos angeht. So fuhr ich ganze80 Kilometer weiter und landete letztendlich ich Merville-Francevill-Plage direkt an einem Parkplatz am Strand und kam gerade rechtzeitig zu einem wunderschönen Sonnenuntergang. Also wenn das nicht ein gutes Ende genommen hat, dann weiß ich auch nicht. So endete dieser erst aufregende, dann wunderschöne, dann leider sehr unschöne und dann wieder tollen Tag mit wirklich allen Höhen und Tiefen und ich kann echt wirklich nur wieder daraus lernen. Am nächsten Morgen erwachte ich gegen 10 Uhr, da es wirklich warm im Auto wurde. Ich wollte zuerst einkaufen gehen und anschließend noch zum Office de Tourism, bevor es meinen tollen Caffè geben wird. So zog ich los und kam mit frischen Lebensmitteln und tollen Informationen über die Gegend zurück zum Auto. Nach einem tollen Frühstück bei inzwischen 28 Grad hatte ich irgendwie Lust auf Stadt bekommen und fuhr dann gegen 13 Uhr los Richtung Caen.

Caen- eine echt süße, wichtige Stadt

Ich hatte also beschlossen bei 30 Grad eine Städtebesichtigung zu machen. Warum? Keine Ahnung. Schön war es trotzdem. Parken kann man mitten im Zentrum bei der Burg und das völlig umsonst. So hat meine Besichtigung also gleich mit dem "Chateau de Caen" angefangen. Zu dem befindet sich auf dem Gelände eine öffentliche Ausstellung, sowie das Museum der Normandie. Ich hatte aber nur einen kleinen Rundgang durch den Park gemacht und mich dann die Treppen hinunter in die Stadt begeben. Sobald man diese hinunter gestiegen ist steht man vor der nächsten Sehenswürdigkeit, der Saint-Pierre-Kirche. Diese wird zwar gerade Renoviert, ist aber trotzdem schön anzusehen. Direkt gegenüber befindet sich das l'office de tourisme, in dem ich mir wieder einen Stadtplan besorge und ein paar Informationen über die Umgebung. Ich merke, dass ich nun im Zentrum des D-Days angekommen bin. Der Ohama Beach ist nicht mehr weit und auch Caen hat damals eine wichtige Rolle gespielt, sodass man duzend Informationen und Souvenirs über den 6.Jui.1944 bekommt. Aber dazu wie gesagt mehr in meinem nächsten Post. Ich hatte nun das Tourismuscenter wieder verlassen, nur um gleich um die Ecke wieder zu stoppen. Es war inzwischen 3 Uhr und ich habe Hunger bekommen. Und so erfüllte ich mir meinen Essenswunsch in Frankreich. Echte französische Patisserie. Warum das nun so besonders ist? Nun ja, normale Gebäcke bzw. hier genannte Patisserien beinhalten zu 99 % Mehl, also Gluten. Bei Frederic Gerad aber nicht. Bis auf 2 Produkte sind alle Sorten in seinen 2 Patisserien in Caen glutenfrei. Ein wahrer Traum. So gönnte ich mir für 4 Euro einen kleinen Kuchen und genoss diesen in der Sonne. Gut gestärkt ging es dann die Einkaufspassagen entlang. Caen hebt sich deutlich von anderen französischen Städten ab. Natürlich gibt es die Geschäfte, wie Sephora, H und M oder Kiko, aber auch viele kleinere Läden, die von Tee über Comics, bin hin zu fairer Mode oder Campingausrüstung alles anbieten. So lief ich die Rue-Saint-Pierre bis zum Place Fonette entlang, wo mir der Palais de Justice, sowie das Kloster "Abbaye-aux-Hommes" entgegenblickten, welches heute das Rathaus darstellt. Von dort ging es dann weiter Richtung Orne. Dem Fluss welcher den Hafen von Caen beinhaltet. Dabei kommt man am Place Gambette vorbei, wo die französische Bank ihren Sitz hatte. Ein wenig weiter und wirklich nicht zu übersehen befindet sich "Hippodrome". Die Pferderennbahn von Nordfrankreich. Ein wenig in die Jahre gekommen, aber bestimmt schön anzusehen, wenn ie für die Rennen geschmückt wird. Danach bog ich wieder vom Wasser ab und machte mich auf, um die Statue der Jean D'Arc zu besichtigen. Wir erinnern uns, Heilige Jungfrau von Orléan, verbrannt in Rouen. Die goldene Statue dient als Zeichen ihrer Anerkennung, als sie am 10. Mai 1933 sich in Caen befand. Danach überquerte ich die Pont Wilston Churchill, um auf die andere Seite des Flusses zu kommen. Dort befand sich nämlich ein Einkaufszentrum, in dem ich eigentlich nur kurz einen Toilettenstopp machen wollte, schließlich aber doch mit 2 Neuen Kleidungsstücken, sowie einem Ordner und Locher wieder hinauskam. Inzwischen war es 18 Uhr und ich begab mich wieder auf den Weg zu meinem Auto. Dabei passierte ich noch den Hafen, sowie den hinteren Teil des Burggeländes.

Nach diesem Städtetrip zog es mich wieder ans Meer und so sind wir wieder am Anfang. Nach gut 30 Minuten befand ich mich auf den Klippen von Longue-sur-mer und es war einfach nur toll. Es waren zwar echtviele Wohnmobile dort, aber ich bekam direkt vorne einen Platz und so aß ich mit Mehrblick zu Abend, nach dem auch hier wieder meine Dusche zum Einsatz kam. Den Abend ließ ich damit ausklingen, dass ich in meinen neu erworbenen Ordner alle Stadtpläne und Infos abheftete, sodass die nicht in meinem Autorumfliegen. Gegen halb 10erwachte ich nach einer echt ruhigen Nacht. Sobald ich den Vorhang zur Seite schob blickte mir schon da Meer entgegen. Bitte mehr davon. Das Highlight kam aber erst, als ich mich umgezogen nach draußen begab, mich an den Klippenrand stellte und eine Delphinschule erblickte. Ich war sprachlos. Ich hatte bereits in Tarifa, sowie auf Fuerteventura die Chance Delphine vom Boot aus zu sehen, aber so ganz ohne Touristen in freier Wildbahn ist nochmal was anderes. Leider verschwanden sie auch wieder so schnell wie sie gekommen sind und so machte ich mich auf den Weg zu den "Batterie allemande de Longues-sur-Mer". Dazu aber mehr in meinem nächsten Beitrag, der sich nur über den D-Day drehen wird und sich mal ein bisschen von den anderen Beiträgen abheben wird.

Nachdem ich dann alles wieder zusammen gepackt hatte, stand für mich der nächste Ort an. Arromanches les Bains sollte es werden. Arromanche les bains ist wie alle weiteren Städte, die besichtig haben, ein Ort am Strand, der im Kampf der Alliierten gegen Deutschland von wichtiger Bedeutung war. Daher war auch hier die Hölle los. Also kein Ort für mich, trotzdem lief ich durch die eine Einkaufsgasse und stoppte bei einem Restaurant, um mein Glück mit den französischen Galettes zu versuchen. Galettes sind salzige Crêpes aus Buchweizenmehl, welche an sich glutenfrei waren, jedoch meistens während der Zubereitung mit Weizenmehl kontaminiert wird. Der Kellner versicherte mir aber, dass es schon einige mit Zöliakie gab, die hier gut gegessen hatten. So setzte ich mich hin und bestellte den anscheinend glutenfreien Pfannkuchen. Leider wurde ich nach knapp einer Stunden eines besseren belehrt und konnte so dann erstmal 5 Stunden mit Bauchkrämpfen verbringen. Lecker war er trotzdem und die 1 Stunde ohne verbrachte ich noch am Strand. Dann ging es aber leider nicht mehr und ich schleppte mich zu meinem Auto. Mit Ibuprofen und Iberogast fuhr ich dann zu meinem nächsten Schlafplatz. Ein kleiner familiärer Campingplatz, ohne viel Gedöns 10 Minuten vom Ohamabeach entfernt. Da ich wusste da mir meistens leichte Bewegung hilft, lief ich nach meiner Ankunft mit meinem To-Go Becher gefüllt mit Tee zu einem Hügel, von dem man einen super Blick auf mein morgiges Ziel hatte. Als ich wieder beim Platz ankam, machte ich mir noch etwas warmes zu essen und schlief dann auch recht schnell ein, da mich der Tag doch einiges an Kraft gekostet hat. Die nächsten 3 Tage habe ich mir vorgenommen mich dem D-Day zu widmen und werde wie schon angekündigt einen extra Beitrag schreiben. Ich hoffe er wird dem ein oder anderen nochmal ein paar neue Informationen geben und allgemein euch gefallen. Bis dahin. Au revoir.

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Ein paar Eindrücke noch von Gestern

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Kommentare: 1
  • #1

    Hi (Mittwoch, 28 August 2019 13:53)

    Schöne Bilder ^^