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Auf nach Portugal

1200 Kilometer Richtung Süden

Von San Vincente über die Picos de Europa bis nach Porto und weiter

Über anderthalb Wochen ist es nun her, dass ich ein Lebenszeichen von mir gab. Ich hatte aber gemerkt, dass ich diese Pause brauchte.Insgesamt wurden nämlich aus der einen geplanten Nacht auf dem Campingplatz ganze 6 Nächte und aus meinem einfachen Strandurlaubein Surfurlaub, der meine weiteren Pläne eventuell ganz dezent umschmeißen wird. Aber beginnen wir von vorne. Denn zwischen dem letzten Post und diesem, liegen über 1200 Kilometer, 19,5 Stundenfahrt, eine Landesgrenze und ein verbeulter Kotflügel.

Mein erster Surfurlaub

San Vincente de la Barquera. Mein längstes Zuhause bis jetzt auf dieser Reise. Die kleine Stadt liegt in der spanischen Provinz Kantabrien und ist ein wahres Surferparadies für Anfänger und leicht Fortgeschrittene. Da es dort jährlich über 1000 Surffreudige anlockt, ist das Angebot an Surfschulen und -shops mehr als groß. So stand ich dann also da, keine Ahnung von nix und mit insgesamt 9Flyern in der Hand. So ganz wirklich hatte ich mich generell nochnicht entschlossen, ob ich wirklich das Surfen lernen wollte. Von daher besuchte ich an meinem 3. Tag zunächst einmal die Hauptstadt Kantabriens, Santander. 60 Kilometer Entfernung ließen sich auf der wirklich gut ausgebauten und vor allem kostenlosen Autobahn in gerade einmal 40 Minuten gut meistern und so stand ich nach einer etwas stressigeren Parkplatz suche endlich in meinem Parkhaus.

Santander

Sobald ich die Wendeltreppe nach oben ging, stand ich auch schon vor der ersten Sehenswürdigkeit Santanders. Dem Centro Botin. Dieses Museum für moderne Kunst besitzt zwei kleinere, offene Treppenhäuser, die einen nach oben auf eine Terrasse führen. Von dort hat man ein tollen Blick auf das Meer und die Gebäude von Kantabriens Hauptstadt. Von dem Gebäude aus führt eine kleine Promenade entlang des Wassers, auf der heute unzählige Ständeaufgebaut waren, denn ich war zum Festival de Mar eingetroffen. Infostände über das Segeln, Tauchen und Schnorcheln, bis hin zum Stand der Seenotrettung und den verschiedensten Umweltschützer war alles vertreten. Ich kam genau richtig, um einmal live eine Wasserrettung per Helikopter mitzuerleben. Ein wirklich großes Spektakel. Dementsprechend groß war aber auch der Menschenantrang und so schlenderte ich etwas schneller durch die Stände, um dann die Straße zu überqueren, um mich in Richtung Zentrum zu begeben. Dort fand ich auch die Markthalle mit verschiedenen Restaurants und kleineren Boutiquen, sowie dem Officina de Touristico. Nur leider war die Karte, die sie mir gab nicht wirklich übersichtlich, um Santander zu durchblicken, trotzdem nahm ich sie dankend an und musste mir in der Sonne erst einmal eine Pause gönnen, um den Plan zu studieren. Ich habe bis heute nicht wirklich die Struktur dieser Stadt verstanden. Alles scheint ein wenig zerstreut zu sein und so etwas wie eine Einkaufsstraße gibt es nicht wirklich. Stattdessen fängt hier und dort mal eine Straße mit Geschäften an, welche dann aber wieder in eine etwas abgelegenere und nicht ganz so schöne Straße mündet, bis dann wieder 100 Meter weiter, eine weitere Einkaufspassage sich gebildet hat, die aber auch nicht wieder schönendet. Die paar Sehenswürdigkeiten, die ich gesehen haben waren zwar ganz schön, aber wirklich spektakulär oder gar atemberaubend werde ich diese Stadt nicht in Erringung behalten. Deswegen beschloss ich nach gerade einmal 3 Stunden auch schon wieder zurück zu kehren und fuhr noch einmal zu meinem Ausgangspunkt vor 2 Tagen, um dieses Mal dem Carrefour einen Besuch abzustatten. Mein Geldbeutel fand diese Idee glaube ich nicht wirklich berauschend, denn ganz günstig wurde dieser Abstecher nicht. Im Lidl gab es ja bereits schon eine kleinere Auswahl glutenfreier Produkte, aber das was Carrefour in Santander bietet, übertrifft alle anderen Supermärkte bei weitem. Eine ganze Regalreihe voll von Produkten, die alle glutenfrei waren. Von verschiedenen Zerealien und Brotsorten, über Nudeln, Müsliriegeln und Keksen bis hin zu 3 verschiedenen Biersorten gab es alles was das Zöli-Herz begehrt. Ein Traum. Da musste ich natürlich zuschlagen. So fuhr ich mich etwas schwererem Caddy also wieder zurück nach San Vincente, um jedoch noch einen Stopp bei ein paar Surfschulen einzulegen. Der erste war bei der Surfschule SurfnSoul. Diese liegt etwas abseits auf einem Berg. Per Shuttleservice würde man dann an den Strand gebracht werden. An sich hört sich das ja ganz gut. Vor allem bietet diese Surfschule als einzige einen Wochenendkurs mit 10 Stunden Praxis an. Das wäre also perfekt für mich gewesen, da es an dem Tag Freitag war und der Surfkurs Samstagsbeginnen würde. Doch als ich dort oben ankam gefiel es mir auf Anhieb nicht. Ich weiß auch nicht warum, aber mein Bauchgefühlsagte eindeutig fahr weiter. Und so fuhr ich eben wieder weiter in Richtung meines Strandes, um dort die Surfschulen abzuklappern. Bei Zweien wusste ich, dass sie zwar deutsche Stunden anbieten, jedoch auch 5 Euro teurer waren,als die Konkurrenz. So konnte ich diese schon einmal ausschließen. Letztendlich ging ich einfach in die erste bei dem Campingplatz rein und wurde direkt auf spanischbegrüßt. Nach ein paar Floskeln fragte ich direkt, wann und wo und wie viel. Auf dem Plan sah ich, dass noch jede Menge frei war und so entschloss ich mich einfach direkt morgen um 12 mit einem deutschen Pärchen meine erste Surfstunde zu absolvieren. Bezahlt wird am Ende und mehr als Jasmin brauchte er nicht. Diese Lockerheit ist einfach an diesem Ort genial. So war dieser Tag mehr als Erfolgreich gewesen trotz kurzer Santanderenttäuschung. Den Abend verbrachte ich draußen vor meinem Caddy und freute mich schon mega auf den morgigen Tag.

Es war nun also soweit. In Neoprenanzug stand ich um 12 Uhr nebenmeinem Brett und bekam die ersten Einweisungen zum Thema Brett, Wellen und Stand-Up. Die Theorieeinheit war jedoch wirklich nur kurz, da Denise, unsere Trainerin aus den Niederlanden, viel wert auf Learning by Doing legt und von daher ging es nach einem kurzem Aufwärmen auch schon direkt ins Wasser. Und ich sage euch. Surfen ist alles andere als leicht. Kommt alleine überhaupt mal indie Lineup, ohne gleich 100 Liter Wasser zu schlucken. Dieser Kampfdurch die Wellen ist glaube ich das anstrengendste am Surfen. Das Problem ist vor allem, dass man nach jeder Welle, die man probiert zureiten, dann auch den ganzen Weg wieder raus ins Wasser muss. Doch es macht furchtbar Spaß. Dieser Moment wenn man seine erste weiße Welle stehend bestreitet ist einfach genial. Und so hat mich direkt das Surffieber gepackt, sodass ich gleich noch 3 weitere Surfstundengebucht hatte. Das war auch so gut das einzige was ich die darauffolgenden Tage gemacht habe, da es wirklich anstrengend war. Also sah mein Tagesablauf ungefähr so aus. Bis 10 schlafen, dann frühstücken, umziehen für den Strand, bisschen aufräumen oderähnliches, von 12-14 Uhr surfen, duschen, etwa kochen und mit dem Essen dann für ca. 2 Stunden an den Strand relaxen. Danach wieder zurück zum Campingplatz und am Abend dann noch einmal zum Strand. um einen kleinen Strandspaziergang zu machen. Doch mein vorletzter Abendendete ein wenig anders. Meine Campingnachbarn luden mich nach einemlängeren Gespräch zwischen Caddytür und Pössltür auf ein Glas Rojo ein und so verbrachte ich den Abend bei netten Gesprächen und gutem Wein bei wirklich netten Campern, die ich nicht zum letzten Mal sehen sollte. Der darauffolgende Tag hieß erst einmal Abschied von meinen Nachbarn nehmen, denn für sie ging es heute schon Richtung Picos. Auf mich allerdings wartete wieder mein Board auf mich, sowie ein entspannter Abend am Strand mit einer anderen Alleinreisende.

Picos de Europa-Spaniens größter Nationalpark

Am nächsten Tag ging es für mich nach meiner vorerst letzten Surfstunde dann Richtung Picos de Europa. Doch zuvor passierte leider noch etwas, was mich noch meine ganze Reise lang begleiten wird. Beim Ausparken übersah ich den Baum vorne Links und prallte zwar nur mit allerhöchstens 5 Km/h dagegen, trotzdem ist nun mein Kotflügel hin und mein Parklicht leider auch. Der Schreck war aber umso größer als der Schaden. Bis heute schaffe ich es nicht einfach normalauszuparken, ohne mich zig mal umzusehen und das nach gefühlt jedem Tritt auf das Gaspedal. Trotzdem konnte ich mit dem Schaden weiterfahren und so setzte ich meine Reisepläne weiter in die Tat um. Ich sage euch, falls ihr vor habt in das größte Naturschutzgebiet Spaniens zu fahren, also den Picos de Europa, dann lieber nicht mit einem größeren Gefährt, oder einem mit wenigen PS. Denn die Strecke die man bestreiten muss, um dort hin zu gelangen, lässt jedenAlpenpass lächerlich aussehen. Mehr als 30 Km/h bin ich die80Minuten nicht gefahren, und falls doch einmal, dann nur für einpaar Meter. Es nahm vor allem kein Ende und als dann auch noch Kühe und Ziegen meine Straßenseite versperrten, wollte ich am liebsteneinfach stehen bleiben. Aber das ging natürlich nicht. Ich kam irgendwann auch endlich an, fix und fertig mit der Welt und mir war einfach nur noch zum heulen zu mute. Doch meine Stimmung änderte sich schlagartig, als ich auf meinen Stellplatz in den Picos fuhr. Ich erkannte schon von weitem meine neu gewonnene Freundin Lily. Der Hund meiner Campingnachbarn. Ich parkte sogleich neben ihrem Pösslbus und war überglücklich sie zu sehe. Wenn man so lange nun schon alleine ist tut es einfach richtig gut bekannte Gesichter zu sehen. Und wie es der Zufall wollte, kam ich passend zum Essen, sodass ich mir auch darum keine Gedanken mehr machen musste. So endete dieser Tag doch noch wirklich schön und ich bin ihnen so dankbar, dass unsere Wege sich bei den Picos noch einmal gekreuzt hatte. Am nächsten Tagerwachte ich leider mit Regen. Und nach einem Blick auf meine Wetterapp sollte es sich auch Wettertechnisch nicht mehr viee rändern. Na super, und was ich mit meinen Plänen in den Picos Wandern zu gehen? Die vielen nun also wortwörtlich ins Wasser, denn egal auf welcher Seite man sich über die Picos de Europa informieren will, jede sagt einem deutlich, dass man es schleunigst lassen sollte, bei Regen einen Wanderweg zu bestreiten, da die Steinschlaggefahr von Geröll viel zu groß sein würde. Doch bevor ich mir nun den Kopf darüber zerbrechen würde, was ich ansonsten jetzt machen soll, gab es erst einmal neben an ein leckeres zusammengewürfeltes Frühstück im Pösslbus. Währenddessen quatschten wir über dieses und jenes und auch sie gaben mir den Rat, die Wanderung lieber zu verschieben. So hatte ich nun aber immer noch keine Alternative, doch nach ein wenig Recherche beschloss ich über Cudillero, einem kleineren Dorf am Meer mit wirklich süßen verwinkelten Gassen, entlang der Küste in Richtung Santiago de Compostella zu fahren. Die Fahrt zu meinem ersten Stopp nutze ich, um ein paar mal noch anzuhalten und mir die Picos und die Umgebung noch einmal von Aussichtsplattformen anzusehen und ,um noch ein paar Bilder schießen zu können.

Cudillero

Als ich dann nach meiner Höllenpassfahrt in Cudillero angekommen bin, staunte ich nicht schlecht. Es sah wirklich so aus, wie im Internet. Die ganzen Häuser sind an einem einzigen Hügel verteilt und die Bucht ist glasklar, sodass es einfach nur mystisch wirkt. Ergabt zwei Miradors, also Aussichtsplattformen, von denen man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und das Meer bekommt. Eine gute Stunde später fuhr ich jedoch wieder weiter, um mich nach einem Schlafplatz um zusehen. Ein nur etwa 10 Minuten entfernter Leuchtturm sah ganz viel versprechend aus und so fuhr ich erst einmal dort hin. Der Ort war wirklich schön und de Ausblick gigantisch, aber schlafen wollte ich hier nicht. Daher aß ich nur schnell eine Kleinigkeit und fuhr dann weiter zum nächsten Leuchtturm. Doch hier war keine Menschenseele und so fuhr ich auch hier direkt weiter. Langsam gingen mir die Ideen aus. 2 weitere Plätze auf der Strecken waren genau so verlassen oder einfach nur seltsam, so dass ich doch noch ein ganzes Stück fuhr, bis ich auf einen Stellplatz traf, den ich mir zu Beginn meines Roadtripes schon angeschaut hatte. Es ist nichts besonderes. Bisschen Kies aufgeschüttet, Toilettenhäuser, Parzellen mit Strom und eine Rezeption. Doch der Besitzer des Camperparks begrüßt einen höchstpersönlich und gibt einem auch direkt eine Tour über seinen Platz, sowie die genauen Beschreibungen, wie man am besten zum Strand, sowie zum Supermarkt kommt. Irgendwie putzig. So hatte ich nun also nach knapp 4 Stunden fahrt nach den Picos de Europa meinen Stellplatz in Foz/Lugo erreicht. Nach einem kleinen Ausflug noch zum Supermarkt und einem schnellem Abendessen endete auch dieser Tag mal wieder. Der nächste Tag war recht unspektakulär. Morgens suchte ich nach ein paar Surfschulen in Portugal, bevor ich mich anschließend in Richtung Strand begab. Dort legte ich eine kleine Sportsession ein und schwamm auch eine kleine Runde im Meer. Anschließend begab ich mich wieder zurück, duschte mich noch und fuhr dann die restlichen 2Stunden die mich noch von Santiago de Compostela trennten. Dort befindet sich etwa 12 Minuten außerhalb ein einfacher Parkplatz mit ein paar extra Plätzen für Wohnmobile und so hatte ich etwas schneller als den Tag zuvor meinen Schlafplatz gefunden.

Auf nach Santiago de Compostela

Ich erwachte gegen halb 10. Leider nicht ganz so ausgeschlafen wie erhofft, trotzdem war die Freude stärker, als die Müdigkeit.Santiago war für mich schon von Beginn an eins meiner favorisierten Ziele. Und so fuhr ich nach einem gemütlichen Frühstück in meinem Caddy auch noch die letzten Kilometer bis ich in meinem Parkhaus beider Kathedrale stand. Ich stieg direkt die vielen Stufen hoch, bis ich dann endlich auf dem Vorplatz der Kathedrale stand. Und dieses Bild was sich einem dort ergibt verschlägt einem die Sprache. Man spürt richtig die ganzen Emotionen, die sich dort ansammeln. Aus allen Himmelsrichtungen kommen die Pilger dort zusammen, fallen sich in die Arme, fangen an zu weinen, oder lassen sich einfach auf den Boden vor Erschöpfung fallen. Doch eines haben sie alle gemeinsam. Sie alle haben ihren Jakobsweg bestanden. Zwischen 100 und 829Kilometer sind alle die hier versammelt sind gepilgert. Und das spürt man. Ein wenig verweile ich noch ein wenig dort, bevor ich mich Richtung Altstadt begebe. Ich lasse mich einfach durch die vielen kleinen Gassen treibe und mache hier und dort mal einen Stopp bei einem der vielen Souvenirläden, sowie Boutiquen. Außerdem darf natürlich mein Stopp bei Oficina de Tourismus nicht fehlen. Auf der Karte wird einem schnell klar, dass Santiago nicht wirklich groß ist und ich eigentlich bei meinem vorherigen rumschlendern schon fast alles gesehen hatte. Trotzdem folge ich noch dem Weg zu dem größten Park Santiagos, von wo man einen tollen Blick auf die Kathedrale bekam. Doch während ich so durch diesen Park spazierte überkam mich auf einmal ein Gefühl von Trauer und Einsamkeit. All diese Menschenhier zu sehen, ganze Familien, die den Jakobsweg gemeinsam bestritten sind, macht einem erst bewusst, wie alleine man eigentlich gerade in diesem Moment ist. Natürlich hat mein seine Freunde und Familie immer in Form des Smartphones bei einem, aber, dass das nun malkeinen Menschen ersetzen kann, darüber sind wir uns wohl alle hoffentlich einig. Leider hielt dieses Gefühl auch noch wirklich lange an. Trotzdem ließ ich mich davon nicht beirren und besuchte auf jeden Fall noch die Kathedrale, sowie zwei weitere Kirchen. Schade war nur, dass das komplette Jahr 2019 dazu genutzt wird, die Kathedrale zu renovieren. So war der Anblick nicht wirklich schön, mit all den Gerüsten und Handwerkern. Doch das was man sehen konnte war einfach nur „Wow“. Alles war mit Gold verziert und überallhingen Statuen, die sich gegenseitig immer übertrafen, umso weiter man sich der Jakobus-staue nähert. Dieser Staue sagt man nach, dass wenn man sie umarmt, es einem Segen, Glück und Heil für das restliche Leben bringt. Dementsprechend groß war der Andrang. Ich sah es nicht wirklich ein mich dort nun 35 Minuten anzustellen und verließ die Kathedrale wieder, um noch einmal auf dem Vorplatz zu verweilen. Inzwischen sind es eindeutig mehr Pilger, die sich dort versammelt hatten. Ich ließ es noch ein bisschen auf mich wirken und ging dann wieder zurück zu meinem Parkhaus. Auf meinem Weg dorthin wurde mir bewusst, dass auch ich meinen Jakobsweg in irgendeiner Art und Weise zwar nicht gepilgert bin, dafür aber gefahren. Viele Stationen des Camino el Norte lagen auf meiner Route. Doch auch wenn ich sozusagen schon vieles davon gesehen hatte, steht für mich der Entschluss fest, eventuell nach meinem Studium den Jakobsweg zu pilgern.

 

225 Kilometer trennten mich nun noch von meinem Platz am Meer. Dazwischen legte ich noch eine kleine Kaffeepause in der Nähe von Pontevedra ein. Ich war nun also in Portugal angekommen. Wirklich glauben konnte ich es noch nicht. Morgen ging es dann nach Porto. Meiner ersten Stadt in Portugal. Den verbleibenden Abend nutze ich noch ein wenig zum Schreiben, sowie noch ein wenig zum Aufräumen.

Porto und der regen

Ich erwachte recht früh, was nicht an ganz freiwillig passierte. Denn es regnete und wie. Egal, ich habe auch Holland bei Regenüberlebt. Der plan bleibt jetzt so. Schnell wurde gefrühstückt und dann ging es auch schon zu meinem Park and Ride Parkplatz beim Estadio do Dragao. Von wo man in 10 Minute mit der S-Bahn in Porto war. Man bezahlt für ein Einzelticket 1.80 und das Parken kostet einen gerade mal 1.20. Das gefällt mir schon eindeutig besser, als die Großstädte zuvor. So begann mein Portorundgang mit Regenschirm und Regenjacke bei der Tourist Information und dann ging es auch schon los. Porto ist die zweitgrößte Stadt Portugals. Trotzdem wohnen dort gerade einmal knapp über 200.000 Einwohner, was das ganze wirklich entspannt macht. Bekannt ist Porto natürlich für den Portwein, sowie aber auch für seine Vielzahl an Kirchen und Brücken, der wohl schönsten Buchhandlung der Welt, sowie für den Regen, den ich leider heute mitbekam. Nichtsdestotrotz, lief ich die vielen Kirchen ab, blickte mal in das ein oder andere Geschäft rein und schlenderte entlang des Wasserufers, um das Treiben der Winzer zu beobachten, wie sie alle den besten Portwein Portugals verkaufen wollten. Als der Regen dann aber wirklich nicht mehr zumutbar wurde und sich glaube ich nichts mehr trockenes an meinem Körper befand, besuchte ich mein persönliches Highlight Portos. Das Café und Restaurant Com Cuore, in dem alles 100prozentig glutenfrei ist. Von Burger über Crêpes bis hin zu 2 verschiedenen Biersorten, konnte man alles glutenfrei bekommen. Ich entschied mich für einen richtigen Crêpe, mein erster seit der Diagnose, und genoss ihn in vollen Zügen. Denn ich finde Crêpe und Pfannkuchen sind zwei komplett verschiedene Dinge. Dazubekam ich noch einen Café com Leite (Milchkaffee) und war überglücklich endlich im trockenen zu sitzen. Ich verbrachte dort eine knappe Stunde, denn ich nutze das kostenfreie Wlan, um mich auf Stellplatzsuche zu begeben. Ich fand auch einen wieder direkt am Strand und legte mir aber zuvor noch den Praia do Costa Nova auf meine Route als Zwischenstopp. Diesen Strand hatte ich bei meiner Portugal-Recherche gefunden und hatte mich sogleich in die bunten Häuser an der Promenade verliebt. Nun hieß es aber erst einmal wieder zurück zum Auto. Mit der S-Bahn hatte zum Glück alles funktioniert und so fuhr ich gegen 17 Uhr aus dem Parkhaus raus in Richtung Costa Nova.

Über die Costa Nova Richtung Süden

Ein Parkplatz war auch schnell gefunden und nachdem ich erst einmal am Strand entlang lief, bog ich dann Richtung Promenade ab. Und wirklich, dort reihte sich ein buntes Holzhaus an das nächste. Es sah wie im Buche im. Einfach nur kitschig schön. Nach vielen Fotos und noch ein paar Souvenirs, ging es dann Richtung Schlafplatz. Ein Surferstrand bei Figueira da Foz. Ich überlegte bereits am Abend, ob ich nicht vielleicht hier schon mal eine Surfstunde nehmen sollte, war mir aber noch nicht hundertprozentig sicher und schlief erst einmal mit dem Meeresrauschen ein. Mit genau dem selben Rauschen erwachte ich auch wieder. Die Sonne schien, es gab keine einzige Wolke und ich war halbwegs ausgeschlafen. Einen besseren Start konnte es ja wohl nicht geben. Ich überlegt nun was ich mit meinem Tag anfangen sollte. Hier gefiel es mir nicht wirklich, sodass feststand irgendwo anders lieber Surfen zu gehen. Wo genau war nur die Frage. Ich fragte also mal wieder meinen treuen Begleiter Google. Die Auswahl an Surfchulen ist nur leider gigantisch, doch es gab zum Glück ein paar Surfblogs, die zumindest eine kleinere Zusammenfassung boten. Ich schrieb ein paar Surfschulen an und schaute einfach was passiert. Zu dem überlegte ich auch vielleicht mir mal etwas „Luxus“ zu gönnen und in ei Surfcamp zu gehen. Mit400 Euro ist es natürlich kein kostengünstiger Spaß, aber für 7tagen mit 5 Tagen Surfkurs nicht übertrieben. Mit dem Gedanken im Hinterkopf fuhr ich aber zunächst erst einmal nach Nazaré, wo die höchsten Wellen der Welt gemessen worden sind.

Dort angekommen hörte man schon sofort die Wucht der Wassermassen, die unten auf den Strand und die Bucht trafen. Es führt ein steiler Weg hinunter zum Leuchtturm und dann weiter zum Strand. Von dort kommen einem die Wellen nicht mehr ganz so klein vor, wie zuvor, als man noch von oben auf sie hinab sah. Gigantisch, ein anderes Wort gibt es nicht um diese Wellen zu beschreiben. Und heute war ein ruhiger Tag. Die Wellen erreichten gerade einmal 5-6 Meter, was im Vergleich zu dem Rekord von 35 Meter ein Nichts ist. Ich stieg dann wieder den etwas steileren Hügel rauf, um mir den Marktplatz, sowie die Kirche anzuschauen. Der Marktplatz war wirklich noch ein Marktplatz. Über all fand man Stände mit regionalen Produkten, Kunst aus Keramik, Schmuck, Souvenirs und vieles mehr. Ich holte mir dort ein Eis und schlenderte damit über die Stände. Nach knapp 60Minuten verließ ich diesen schönen Ort aber wieder, da ich noch zu einem Surfcamp fahren wollte. Ich fuhr noch ca. 45 Minuten dann stand ich auch schon von der Surfschule DropInn. Der Trainer wirkte auch wirklich nett, doch leider waren die Häuser alle schon komplett. Ich könnte nur an dem Surfkurs teilnehmen und mich mit meinem Caddy an den Strand stellen. Ich sagte ihm, das ich erst nach einem Platzschauen würde und mich anschließend nochmal melden würde, bevor ich bezahle. Die Entscheidung war genau Richtig. Denn am Strandempfing mich das totale Autochaos und so fuhr ich ganze schnell dort wieder weg. Doch was nun? Auf einem Lidl Parkplatz machte ich erst einmal halt, um eine Krisensitzung mit meiner Mutter zu halten. Da war es wieder dieses Gefühl nicht zu wissen wohin, doch dieses Mal war ich schlauer, denn ich hatte langsam gelernt, dass es immer irgendwie klappt. Die ganzen Surfcamps konnte ich vergessen, allesausgebucht. Also neuer Plan. Laut dem Rat meiner Mama suchte ich jetzt erst einmal nur nach Campingplätzen. Und so fand ich diesen hier in Ericeira. Das Surfmekka Portugals. Genau hier wollte ich sogar hin, nur hatten die ganzen Surfcamps eben keine Plätze mehr. Und in dem Moment kam ich irgendwie nicht auf die Idee nach einem Campingplatz zu schauen. Manchmal hilft einem ein anderer Blickwinkeleben weiter. So fuhr ich dann noch fast anderthalb Stunden bis ich endlich ankam. Der Campingplatz ist wirklich riesig. Alle Sorten an Campern finden hier ihren eigenen Platz. Ich fand schnell die Abteilung für Wohnmobile und Vans und richtete meinen Platz ein, bevor ich mir mein Abendessen kochte. Zuvor hatte ich bereits mit einer Surfschule Kontakt aufgenommen, bei der ich heute um 16:30einen Surfkurs habe. Und so sieht man mal wieder. Man brauch eben erst Regen, bevor man den Regenbogen zu Gesicht bekommt.

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